Da kommt Stimmung auf!!!

Verhüterli auf bumserli.ch :D

15.1.10 19:36, kommentieren

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Schweizer Keks-Kommunismus

Heute fühle ich mich mal wieder bemüßigt, mit gefährlichem Halb- bis Gar-kein-Wissen um die Ecke zu kommen und eigene Verschwörungstheorien zu verbreiten.
Hier also mein Beitrag zur politischen Bildung:

KOMMUNISMUS
– gute Idee oder - um es mit Kissinger auszudrücken „[...] findet Zulauf nur dort, wo er nicht herrscht.“ – gibt es ja in diversen Umsetzungsformen: Marxismus, Leninismus, Stalinismus, Maoismus...

Ich möchte noch eine Kategorie hinzufügen: den Schweizer Keks-Kommunismus.
Der ist keiner, aber sieht aus wie einer – und das funktioniert so:
Es gibt ein Zauberwort hier in der Schweiz, bei dem einem das Herz warm wird, man feuchte Hände bekommt und sofort alles stehen und liegen lässt: Es heißt „Action“ und klebt als orangefarbenes Etikett auf Lebensmitteln.

Diese Sonderangebotsstrategie läuft aber in der Regel nicht nach dem Prinzip Preisreduktion ab, sondern ist ein Hamster-System. Gut beraten ist der, der leere Schränke und volle Geldbeutel mit zum Einkaufen nimmt, denn wohin bloß mit 2 kg frischen Ricotta-Tortelloni, der Palette Dosenartischocken und sechs sperrigen Tagliatelle-Beuteln?

Am beliebtesten sind die Kekse. Meist im 5er-Paket. Man muss nicht höchstpersönlich im Supermarkt (beim ungefähr den halben Laden umfassenden Stand) gewesen sein um zu wissen, was diese Woche „Action“ ist. Ob in der Uni, in der Wohnheimsküche, bei genervten Mamas, die ihre quengeligen Kinder ruhigstellen wollen, flanierenden Rentnern, selbst in vorbeifahrenden Autos sieht man plötzlich diese eine bestimmte Kekspackung. Und ganz Genf mampft gemeinsam den Artikel der Woche.
Ein Wortwechsel „Action?“-„Action!“, begleitet von einem milden Lächeln gen Kekspackung heißt übersetzt nichts anders als: „Warst Du heute in der MIGROS einkaufen?“ – „Ja, Du offensichtlich auch!“.

Das Gleiche gilt auch - allerdings wollte ich nicht zu tief in die Klischeekiste greifen – für Bananen.
Schöne Ostalgie... :D

Bisous
Wiwi

1 Kommentar 18.12.09 14:03, kommentieren

Kriegslustiger Schweizer Salat

1 Kommentar 5.12.09 20:22, kommentieren

Anstand beim Aufstand

Ein kleiner Essay zum Thema gut gemachtes Marketing.

Seit Wochen nun drängten einem die Plakatwände förmlich auf, welche Designer-Liaison H&M seit neustem eingegangen war und zwar in einem Ausmaß, dass selbst eingefleischte Nerds doch einmal eine Google-Hilfe-Suchanfrage mit dem Inhalt „Jimmy Choo“ absetzten und erfuhren, dass es sich „so um Schuhe und so“ handeln würde. Wer sich auf der Internetseite des schwedischen Moderiesen herumtrieb, wurde sogar eigens unter der Rubrik „Infos zum Kauf“ darauf eingestimmt, wie der Ablaufplan am 14. November 2009 aussah; die jeweils ersten 160 Kunden mit grauem Erkennungsbändchen für den Exklusivbereich, Öffnung für alles nach 2 Stunden, Stückzahlbeschränkungen etc. pp. Das alles deutete auf den Wahnsinn par excellence in der Morgenstunde hin, sodass auch ich meinen Hintern zu nachtschlafender Zeit für Jimmy aus dem Bett bewegt habe.

Alles hatte ich erwartet; eine trampelnde Elefantenhorde, animalische Klauenkämpfe, Biss- und Kratzwunden, ausgekratzte Augen und abgerissene Gliedmaßen wie zu besten Aldi-Zeiten, als die werte Kundschaft mittwochmorgens noch mit gewetzten Messern losgezogen ist, weil Fernseher im Angebot waren – umso erstaunter war ich, als ich stattdessen nur eine überschaubare Mädelsmasse vorm Eingang erblickte.
Zwar entdeckte ich dann die mindestens 300 m lange Schlange, richtig runtergefallen ist die Kinnlade aber dann doch erst, als sich die Pforten der Verheißung öffneten und ich mich ob des erwarteten Erdbebens fest am Laternenpfahl festklammerte. Aber was soll ich sagen: statt Piranha-Becken eine Schulkasse anno 1927, die brav in Zweierreihen dem freudigst erwarteten Religionsunterricht entgegenfiebert! Kein Schubsen, kein Drängeln, ich frage mich wirklich, wozu eine Polizeieinheit vorm Laden stand...

Wahrscheinlich wohl für die Vorgänge darin! Man stelle sich die nicht auszudenkende dramatische Situation vor, dass zwei It-Girls im selben Moment nach demselben Paar High Heels greifen. Vor lauter Höflichkeit schreit die eine bestimmt: „Erste! Du hast sie zuerst gehabt!“ - „Nein“, kräht die andere völlig selbstlos zurück, „Du warst es! Ich hab’s doch genau gesehen! Du probierst sie jetzt SOFORT an oder es fließt Blut, du Bitch!“
Oder Fashion-Victim 1 probiert das (traumhafte!) asymmetrische schwarze Lederkleid an, dreht und wendet sich vorm Spiegel, erblickt Fashion-Victim 2, reißt sich das Kleid vom Leib, spurtet nackelig durch den Laden, drückt ihr den Fummel in die Arme und fleht: „Zieh Du es an! Es wird Dir besser stehen! Dieses Stück stoffgewordene Offenbarung verdient eine würdige Trägerin!!“

Zum Heulen schön. Ich bin dann wieder zurückgegangen. Ohne Reihestehen. Ohne Jimmy. Aber ganz viel Respekt vor soviel Etikette im Krieg.



1 Kommentar 15.11.09 00:34, kommentieren

Was man nicht auszusprechen wagt, das schreibt man halt auf Dächer!


5.11.09 21:48, kommentieren

Zum Überleben nach Frankreich

Uns war mal nach ein wenig heimatähnlichen Einkaufsgefühlen zumute und wir beschlossen, diese in Frankreich auszuleben. Die Tram bringt uns bis vor den Grenzübergang bei Moëllesulaz. Seit Schengen sind die Granzpostenhäuschen zwar verwaist, aber trotzdem betritt man gefühlstechnisch ausländisches Terrain. Wir hätten angesichts von leeren Rucksäcken, Riesentaschen (und leeren Taschen in den Taschen) und einem Bastkorb vom Ausmaß eines Jauchefasses auch wenig mit der Behauptung überzeugt, wir würden uns nur den wun-der-schö-nen Ort ansehen wollen (der ist im wahrsten Sinne des Wortes nämlich echt grenzwertig).


TEIL 1 der Story, der romantische Groschenroman:

Nachdem wir unsere Kutschfahrkarte mit €uros in die kulinarische Freiheit gelöst haben, knistert in der Luft prickelnde Spannung: Wann wird der erste Supermarché auftauchen? Und wer wird er sein? Ein royaler Mogul mit gar prächtiger Befestigungsanlage? Wird er unsere lodernde Konsumgier bändigen können?

Irgendwann kommt er, der königsblau leuchtende Heilsbringer: Der göttliche Lord „Carrefour“ erscheint am Horizont und zaubert einen verklärten Blick auf die schmachtenden, ausgezerrten Gesichter. Die eleganten Schiebetüren gleiten auf und lassen eintreten in den Tempel der Verheißung. Mit leuchtenden Augen und einem blutrauschendem Kopf wird nach anfänglicher (Preisschild-reizüberfluttechnisch bedingter) Zurückhaltung den Sinnesfreuden zügellos nachgegeben: Ziegenkääääse! Saaaahne!! Rindersteeeeak!!! Desinfektionsspraaaay!!!! Aus den Gängen erschallen extatische Freudenbekundungen...

Lady Bettina fährt ihren Einkaufswagen in feierlicher Prozession zur Kasse, Earl Hendrik bettet die Dr.-Oetker-Ristorante-Pizza so behutsam auf das Fließband als wäre sie aus Meissner Porzellan und mir stehen Tränen der Dankbarkeit in den Augen, als die Kassiererin die Butterpäckchen über den Scanner gleiten lässt und auf dem Display jedes Mal nur 1,35 € aufleuchtet...


TEIL 2 der Story, der krimitaugliche Flüchtlings-Thriller:

Die Sonne ist bereits fast untergegangen, als wir den Carrefour verlassen und wir schleppen uns im Schutze der Dunkelheit zur Bushaltestelle. Ob alle durchkommen, wird sich erst noch zeigen; die vollen Einkaufstaschen schneiden schwer ins Fleisch, das Blut tropft, versiegt im Asphalt und gibt Zeugnis eines unmenschlich aufreibenden Tages.

Bis an die Zähne bewaffnet mit deklarationspflichtigen Nahrungsmitteln, gelangen wir zum schummrig ausgeleuchteten Grenzübergang, jeder nur eine ungefähre Ahnung über die einfuhrfreien Mengen (Schweiz macht bei der Zollunion nicht mit!).
Wie Waffenschmuggler erster Güte eilen wir im Menschengewühl schnellen Schrittes mit stärkerem Puls über die Grenze – haben sie uns bereits im Visier? - und schmeißen uns, unsere Habseligkeiten wie Säuglinge an unsere Herzen gepresst, in die Tram... „Fahr! Fahr los! Sie sind hinter uns...!“ Der Rest geht unter im Kugelhagel...

Wenige Momente später betreten die Spezialeinheiten das Abteil der Tram, schwer verwundet greife ich nach dem am nächsten herumliegenden Gegenstand, reiße mit letzter Kraft kämpferisch den Arm hoch und röchle: „Ihr!!! Damit Ihr es wisst! Nicht Ihr habt uns umgebracht!!! Nein! Wir haben uns selbst... totgekauft!!! So und nicht anders!“ Dann verlassen mich die Kräfte und meine Hand fällt leblos herab, eine Rolle Ziegenkäse fest umklammert...

¡Arriba!

Eure Wiwi


1 Kommentar 4.11.09 23:41, kommentieren

"Tach auch, ich bin's, die Rea! Rea Lität! Nett, Sie kennenzulernen!"

Panik! Meine rosarote friedliche Welt hat ’nen Knacks!

Bisher würde ich den Zustand ja als heimelig bezeichnen, als ob Prinzessin Lillifee, Sissi und Rosamunde Pilcher zusammen dicke, dicke Party machen. Krankheit? Armut? Kriminalität? Klar, haben wir täglich – aber Fernseher haben den Vorteil, dass man sie abschalten kann.

Was wollte ich eigentlich... ach ja, die Message! Auf jeden Fall bin ich heute mal Richtung westlichen Stadtrand galoppiert und was soll ich sagen:

Gott, oh Gott! In Genf gibt’s Ghetto!

(Also, verhältnismäßig. Manche würden vielleicht sogar sagen: „Endlisch mal nomaaaale Leute!“).

Jedenfalls eine Agglomeration von weniger liebevoll gestalteten Bauten mit mehr als fünf Stockwerken, etwas steriler Atmosphäre, mehr großen knurrigen Hunden als kleinen Hamsterverschnitten (und auch ohne Burberry-Dogtrench), einem gesteigerten Glotz-Faktor bei qualitativ schlechteren Anmachen, und einem höheren Anteil an Stylern mit glitzernden Checker-Steckern in den Ohrläppchen und Ballonseide mit den drei Streifen.
Also eben so etwas, das nicht so ganz perfekt ins übrige Stadtbild passen mag, wo Monsieur Sarkozy seinerzeit als frischgebackener Innenminister, bezogen auf die unruhigen Pariser banlieues, mit Hochdruck (lächerlich-legendär! „nettoyer au Kärcher“) ordentlich menschenmäßig ausmisten wollte. Aber immerhin: Wer „schlecht“ wohnt, wohnt irgendwie immer noch gut – am Fluss und mit Bergpanorama. Da schreit der normale Menschenverstand doch auf: "Das kann doch nicht alles sein!" - und eben drum werde ich mal weiter erkunden...

cu
Wiwi (die morgen mal Geneva Eastside auschecken wird, yo!)

2 Kommentare 13.10.09 23:06, kommentieren